Anatomie

Die Anatomie beschäftigt sich in der Medizin mit dem Aufbau der Organismen. Dabei werden sämtliche Körperteile, Organe und auch Zellen in Betracht gezogen. Es wird erklärt bzw. geklärt wo diese liegen, wie sie aufgebaut sind und wie sie aussehen. Schon in der Frühzeit beschäftigte man sich mit der Anatomie eines Menschen. Bereits einige prähistorische Höhlenmalereien lassen darauf schließen, dass sich die damaligen Menschen mit der Anatomie eines Schädels beschäftigten, obwohl ein medizinischer Hintergrund nicht vorlag. Warum sie das also taten, bleibt bis heute ungewiss. Eines der ersten Institute für Forschungen der Medizin wurden im antiken Alexandria eröffnet. Auch damals beschäftigte man sich mit der Anatomie des Menschen.

Ein ausgezeichneter Arzt der den Fortschritt stoppte

Ein exzellenter Anatom der damaligen Zeit war der Arzt Claudius Galenus aus Pergamon. Er konnte zwar viel und verstand viel von seinem Fach, jedoch schaffte er es, den medizinischen Fortschritt über Jahre hinweg aufzuhalten. Dies macht ihn zum eigentlichen geschichtlichen Phänomen. In seinen Werken lobte er ausschließlich sich selbst in den Himmel und akzeptierte auch keinen anderen Arzt außer sich selbst und Hippokrates. Hippokrates von Kos war ebenfalls ein berühmter Mediziner aus der Antike. So hielt man sich in den kommenden dreizehn Jahrhunderten stets an die Werke von Galenus und der Fortschritt kam praktisch zum erliegen. In dieser Zeit wurde nichts weiter unternommen, um die Anatomie des Menschen weiter zu erforschen.

Anatomie des menschlichen Auges

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass der Mensch mit dem Auge sieht. Denn das Bild “vor der Linse” wird tatsächlich erst im Gehirn zusammen gesetzt. Dennoch ist das Auge natürlich das wichtigste Organ für das Sehen: Lichstrahlen treffen auf das Auge dessen lichtempfindliche Rezeptoren. So werden Nervenzellen angeregt, die Impulse an das Gehirn übertragen. Die Linse des Auges sorgt für “scharfe Bilder”. Ist die Linse – etwa bei der Krankheit Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) – nicht natürlich geformt, kommt es zu so genannten Brechungsfehlern. Diese “Stabsichtigkeit” kann zum Beispiel mit Kontaktlinsen oder Brillen korrigiert werden. Die Netzhaut des Auges kleidet das Innere des Auges aus. Ihre Photorezeptoren und Nervenzellen empfangen die Lichtsignale und leiten sie an den Großcomputer Gehirn weiter.

Der Beginn der neuzeitlichen Anatomie

Der Fortschritt war erst in der Renaissance wieder zu spüren. Andreas Vesalius erlaubte es sich, die bisher angenommenen Glaubensgrundsätze von Galenus zu hinterfragen, sehr zur Empörung einiger Kollegen. Andreas Vesalius gilt als Entdecker oder Gründer der neuzeitlichen Anatomie. Die Anatomie nahm zukünftig eine ganz andere Rolle ein und selbst in der Kunst spielte sie eine wichtige Rolle. Mehrere Künstler wie Dürer, Michelangelo und Rembrandt verbrachten einige Zeit damit, die Anatomie des Menschen zu erforschen und zu erlernen. Ein berühmtes Gemälde von Rembrandt ist die „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Für die spätere Zeit der Aufklärung errichtete man sogar anatomische Theater. Hier handelt es sich um Hörsäle oder andere Räume speziell für Vorträge oder Vorlesungen über die Anatomie. Dieses anatomische Theater war ähnlich aufgebaut wie ein Amphitheater. In der Mitte des Raumes, sozusagen auf der Bühne, befand sich ein Tisch auf dem die anatomischen Untersuchen vorgenommen wurden. Die Sitzreihen für die Zuschauer erhoben sich um den Tisch herum.

Bereiche der Anatomie

Die heutige Anatomie wird unterschieden in makroskopische und mikroskopische Anatomie. Bei der makroskopischen Anatomie werden alle Dinge untersucht, egal ob von einem Mensch, einem Tier oder einer Pflanze, die man mit bloßem Auge sehen kann. Für die Untersuchung benötigt man also kein Mikroskop. Dies kommt nur bei der mikroskopischen Anatomie zum Einsatz. Die makroskopische Anatomie lässt sich außerdem in vier Bereiche unterteilen. Dabei handelt es sich um die beschreibende Anatomie, die systematische Anatomie, die topografische Anatomie und die vergleichende Anatomie. Die vergleichende Anatomie beschäftigt sich jedoch nur mit dem Körperaufbau verschiedener Tierarten. In der heutigen, klassischen Anatomie wird eine Nomenklatur verwendet, welche auf der lateinischen und griechischen Sprache basiert. Damit wird es Medizinern ermöglicht, für ein und dasselbe Körperteil immer denselben Begriff zu verwenden.

Foto: Sebastian Kaulitzki – Fotolia